Sehr geehrter und lieber Herr Pfarrer Hensel!

Liebe Schwestern und Brüder!

Liebe Wohltäter und liebe Mitglieder des Arbeitskreises «Kroatienhilfe Gospa Mira»!

 

Jesus hatte immer offene Augen. Und jenes, was Er sah, hat niemand andere bemerkt. Im Tempel sah Er eine arme Witwe, die in den Opferkasten zwei kleine Kupfermünzen – eigentlich alles, was sie hatte, ihren ganzen Lebensunterhalt, wörtlich «ihr ganzes Leben» - hineinwarf. Wie viel einer in den Kasten hineingeworfen hat, hat Jesus nicht nach dem Geld sondern nach dem Herz gemessen.       

 

Jesus schaute verschiedene Menschen und merkte, was jeder und jede einzelne tut. Und genau daraus nahm Er immer wieder Bilder für seine Rede über den Himmelreich. Er lehrte seine Jünger, genau das gleiche zu tun, nämlich, dass sie ihre Augen offen halten und erkennen, wie sich im Sichtbaren (in jenem, was wir sehen können) die Bilder vom Unsichtbaren (von jenem, was unseren Augen verborgen bleibt) versteckt. Auf diese Weise haben alle, die Jesus als ihren Meister und Lehre wahrnahmen, durch Ihn auch entdeckt, dass überall um uns herum viele Lehrer anwesend sind.           

 

Lernt etwas aus dem Vergleich mit dem Feigenbaum! Der Feigenbaum ist ein ungewöhnlicher Lehrer. Er ist Lehrer neben vielen anderen: Lilien in einer Wiese, Vögel auf dem Himmel, Weizen und Unkraut. Was kann man von einem Feigenbaum lernen? Was lehrt uns ein Feigenbaum?    

 

Feigenbaum ist verwurzelt. Er lebt von der Erde, in der er eingepflanzt ist. Er hat Geduld und kann lange warten. Er wartet den ganzen Winter und dann, sobald es wärmer wird, wird er lebendig. Die Wärme der Sonne tut ihm gut. Durch die Wärme erweichen seine Zweige, wachsen seine Blätter und der Feigenbaum bringt viele Früchte. An einem Feigenbaum ist es möglich, die Annäherung des Unsichtbaren zu sehen.

 

Feigenbaum lehrt, das der Sommer nahe ist. Es ist genau so auch wenn uns der Herr nahe kommt und wir uns Ihm öffnen. Dann wird unser Herz weicher und dann werden unsere guten Taten lebendiger. Die Nähe und Wirkung des unsichtbaren Gottes in dieser Welt wird durch die Herzen, die mit der Güte und Liebe erfüllt sind, und durch die guten Taten seiner Gläubigen, sichtbar.                

 

Feigenbaum bringt Früchte. Eigene Früchte werden nur manchen vorenthalten und nur manchen gegeben. Ein Feigenbaum ist aber gleichzeitig den Vögeln im Himmel, dem Besitzer so wie auch dem Dieb erreichbar. Dem Feigenbaum ist eigen, dass er Früchte bringt. Und er tut das. Wenn wir etwas vom Feigenbaum lernen sollen, müssen wir dann lernen, jene Früchte zu bringen, die nur von der Sonne und ihrer Wärme abhängen, und nicht von Menschen, die die Früchte pflücken. Feigenbaum reagiert auf die Wärme des Sommers und eben nicht auf jene, die die Früchte pflücken. Feigenbaum bringt und gibt seine Früchte kostenlos.      

 

Feigenbaum trägt die Früchte nicht von sich selbst. Es ist wahr, dass der Feigenbaum DER ist, der die Früchte bringt, aber niemals tut er das von sich selbst, sondern er bringt die Früchte nur als die Folge seiner Ausgesetztheit der Sonne und seiner Wärme.     

 

Liebe Schwestern und Brüder, unsere lieben Wohltäter! Wenn im Leben eines Menschen weder Menschen- noch Gotteswärme gibt, dann ist das ganze Leben trocken und unfruchtbar. Es ist ins Eis und in die Einsamkeit gefangen (zugesperrt). Das Eis taut ab – bzw. unser Herz erweicht, wenn der liebe Gott zu ihm nahe kommt.       

 

Wir in der Diözese von Đakovo und Srijem und auch in anderen Diözesen in Kroatien hatten und noch immer haben die Möglichkeiten, den Herrn Gott, der während des Krieges in Kroatien so wie auch in dieser nachkriegerischen Zeit eines materiellen Wiederaufbaus von zerstörten Häuser, Schulen, Kirchengebäuden und Spitäler, zu bewundern und viel zu danken. Diese seine Güte und Sorge für uns konnten und können wir ganz konkret durch Sie, liebe Freunde, und Ihre Wohltat immer wieder spüren. Wir haben die Möglichkeit, die Vorsehung Gottes in dieser Welt und besonders seine Sorge für zahlreiche Gläubigen aus unserer Diözese und aus anderer Diözesen Kroatiens und Nordserbiens in Ihrer Solidarität, Ihrer menschlichen Nähe und in Ihrer materiellen Hilfe zu erkennen. Diese Vorsehung Gottes und seine Sorge für uns konnten wir auch in bis jetzt 205 Hilfstransporte, die Sie uns (von 1993 bis 2006) geschickt oder auch persönlich in unsere Regionen ausgeliefert haben, immer wieder ganz konkret spüren. Das verlangte, liebe Freunde, von Ihnen so viel Liebe und Sorge, um uns genau das Notwendige zu verschaffen und zu schicken. Es waren dabei so viele Spender, Förderer, unterstützende Gruppen und Organisationen, Helfer und jene, die für uns beteten. Es war dabei so viel zu tun, so viel einzupacken, schwere Sachen zu tragen, so viel ein- und auszuladen in und aus LKWs. Es war so viel zu telephonieren, so viele Briefe und Gesuche, Dankschreibungen und Berichte an die Wohltäter zu schreiben. Das alles verlangte von Ihnen so viele Arbeitsstunden und Energie.               

 

Sie haben Ihre Hilfsbereitschaft niemanden verweigert und Ihre Spende nicht nur den Ausgewählten gegeben, sondern allen die in einer Not waren. Genauso wie ein Feigenbaum seine Früchte dem Besitzer aber auch dem Dieb gleichermaßen gibt, so haben auch wir in verschiedenen Situation erfahren können, dass Ihre Güte, liebe Wohltäter, nicht von uns und von unserem Tun abhängt, die wir diese Früchte genossen haben, sondern dass Sie Ihre Motivation auf Gott selbst und auf seiner großen Güte gründeten. Denn seine Güte wie die Sonne aufwärmt und schenkt den Regen an alle, ohne Ausnahme: wie den Guten so auch den Schlechten. Wir konnten erfahren, dass Ihre Güte nicht von Solidarität und Dankbarkeit einzelner Menschen und Gemeinden abhängte, sondern dass Sie allen geholfen haben, auch jenen, für die Sie sogar die Ladungen von LKWs ausgeladen haben. So oft kamen jene, denen Sie geholfen haben, und nahmen was sie brauchen und gingen weg, ohne sich zu fragen, wer was und wie viel für diese konkrete Hilfe geopfert hat, usw. Nur jene, die mit Gottes Güte motiviert sind, können das ohne Enttäuschung annehmen.         

 

Liebe unsere Wohltäter und Freunde, liebe Gläubigen! Als Gott uns seine Liebe zeigen wollte, sandte Er uns seinen eingeborenen Sohn. So hat auch unser Diözesanbischof, Dr. Marin Srakić, der aufgrund seiner gesundheitlichen Gründen nicht hier herkommen konnte, so haben auch unsere Priester, Pfarrgemeinden und zahlreiche Gläubigen, denen Sie geholfen haben und helfen noch immer (Großfamilien, behinderte Kinder, viele kranken Menschen so wie auch Ordensgemeinschaften in unserer Diözese von Đakovo und Srijem), sie alle haben uns geschickt: einen unseren jungen Professor in der Pastoraltheologie an der Katholisch-theologischen Fakultät und unseren Pastoralamtsleiter, Dr. Ivo Džinić, und mich als Weihbischof, um Ihnen auf diese Weise in ihrem und in unserem Namen mit unserer Anwesendheit unsere große Dankbarkeit für alles, was Sie für uns in unserer Diözese und unseren Nachbarndiözese tun.    

 

Sie sind der fruchtbare Feigenbaum, durch dessen weichen Zweige, seine Blätter und großzügigen Früchten wir erfahren können, dass der Herr Gott trotz dem Krieg und trotz der Schwierigkeiten in dieser Nachkriegszeit uns nahe ist. 

 

Er möge Sie alle segnen und Sie mit seinem Schutz und seiner Liebe auf Ihren Wegen begleiten. Amen.